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Weihnachtsplanungen in Coronazeiten


Die Weissenauer Krippe wird in Coronazeiten erstmalig im Freien aufgestellt: bei der geplanten Parkweihnacht am Heiligabend vor der Evangelischen Kirche (Foto: Schäfer)

Heute hat der SWR bei mir angerufen: Herr Schäfer, wie werden Sie in diesem Jahr unter Coronabedingungen ihren Heiligabendgottesdienst im ZfP gestalten? Zu einem Interview war ich schnell bereit, weil es für mich keine überraschende Frage war. Im Kirchengemeinderat haben wir uns schon seit langem Gedanken darüber gemacht, wie in diesen unsicheren Zeiten Weihnachten gefeiert werden kann. Unter Coronabedingungen in Weissenau den Heiligabendgottesdienst gestalten, fordert heraus. Es geht darum, das Fest in eine positive Verbindung zu bringen mit der Seele. Und die fühlt sich manchmal alles andere als fröhlich an. Viele Menschen empfinden im Krankenhaus gerade zu Weihnachten eine unglaubliche Leere, dabei sollte es doch ein Fest der Hoffnung sein. Und Corona scheint diese Hoffnung noch zusätzlich zu strapazieren. Wenn ich zurückblicke, dann sind die Weihnachtsbesuche auf den Stationen des ZfP, die wir seit vielen Jahren durchführen, ökumenische Höhepunkte: Nach einem Gottesdienst mit Krippenspiel in der der ehemaligen Abteikirche St. Peter und Paul zogen jahrelang, begleitet von Chefärztinnen und Pflegedienstleitern, Trosse mit Posaunen, Flötengruppen, Combos und Kirchenchören über die Stationen und brachten das Weihnachtsevangelium zu den seelisch kranken Menschen. Im Coronajahr ist das Risiko zu groß. Die Stationsbesuche wurden bereits im Juli von der Leitung abgesagt. Aber Weihnachten lässt sich nicht absagen. Ein paar Ideen haben wir im Kirchengemeinderat entwickelt. Aber auch ich weiß nicht, ob das, was ich Stand Ende Oktober notiere, Mitte Dezember nicht schon längst überholt sein wird. Die geplante Grundidee: wir wollen in Anlehnung an die Waldweihnacht eine Parkweihnacht feiern. Also im Freien, wo das Ansteckungsrisiko gering ist. Vor der Kirche, mit Christbaum im Grünen, Zelt-Pavillons für die aus der Kirche translozierte Krippe und für den Musikverein Sternberg. Die Sternberger, musikalisches Weissenauer Urgestein, die erstmalig den Gottesdienst am Heiligabend mitgestalten werden, haben extra ihr Heiligabendprogramm umgeplant. Wir feiern mit jeder Menge Abstand und Masken beim Singen. Aber wir feiern. Weihnachten wird durch das Virus nicht in die Knie gezwungen. Es wird ein anderes, aber bestimmt ein nicht minder fröhliches und intensiv mit allen Sinnen wahrgenommenes Weihnachtsfest, und es wird kürzer werden. Die Kürze bietet eine Chance: das Wesentliche aussprechen, wenige Worte wählen und vielleicht in der Stille und im ungewohnten Setting eine neue Solidarität mit denen spüren, die es gar nicht anders gewöhnt sind, als Weihnachten unter erschwerten Bedingungen zu feiern. So kommen wir, das ist meine Hoffnung, dem ersten Weihnachtsfest näher. Möglicherweise näher als in unseren warmen Kirchen. Und wenn das gute alte Weihnachtsevangelium Lukas 2,1-20 unter dem Sternenzelt oder bei Schneegestöber oder gar im Regen bei frühlingshaften Temperaturen verlesen wird, mag dem einen oder der anderen etwas deutlich werden, was über jegliche Krise erhaben ist: diese Welt ist nicht verlassen. Sinn wird neu erschlossen. Ressourcen werden freigelegt, für mich und für meine Lieben. In einem freundlichen und aufbauenden Geschehen werden wir von Gott besucht, hier und jetzt, in der intensiven Wahrnehmung der uralten Worte, die sich über meine Stimmung legen, in einem Geschehen, das meine Kräfte des Vertrauens wecken will. Davon berichtet Lukas und Martin Luther besingt es unübertroffen in seinem Lobgesang:


Den aller Welt Kreis nie umschloss, der liegt in Marien Schoß. Er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein neuen Schein. Es leucht wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

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