Resonanzraum für alle
- hds

- vor 12 Minuten
- 1 Min. Lesezeit

Gesungenes Friedensgebet: dispason im Kulturprogramm der Vesperkirche
Januar ist die Zeit der Vesperkirchen. Vesperkirche – eine Idee, die vor allem in evangelischen Kirchen seit vielen Jahren Schule macht. Ravensburg und Weingarten sind Beispiele ihres Gelingens. Was früher vielleicht als Armenspeisung in dafür unangemessenen heiligen Räumen deklariert wurde, hat sich mittlerweile zu einer großen diakonischen Bewegung entwickelt. „Offen für alle“ lautet das Motto und es geht um Begegnung. In der warmen Stadtkirche, temporär umgerüstet zu einem großen Speisesaal, werden für zwei Wochen gegen einen geringen Betrag pro Tag mehr als 2000 Speisen ausgegeben.

Die Tische in der Ev. Stadtkirche warten auf die Gäste
Man kommt ins Gespräch, tauscht sich aus und abends wird Kultur vom Feinsten präsentiert: Ein Salsa-Tanzkurs der beiden Schirmherren (die eine bekannte Ravensburger Tanzschule leiten), das Oberschwäbische Kammerorchester, Kabarett und Pop. Die Vokalgruppe diapason trägt heute geistliche und weltliche Vokalmusik aus mehreren Jahrhunderten vor. Norwegische, südamerikanische, deutsche und englische Friedensbitten verwandeln den Kirchenraum in ein universales, gesungenes Friedensgebet. Es entsteht, wie es eine Chorsängerin ausdrückt, ein „Resonanzraum für alle“. Resonanzraum für alle – ist das nicht eine treffende Beschreibung für die Vesperkirche, ja für die Kirche überhaupt? Meine Beobachtung an diesem Abend: es passiert etwas mit den Menschen. Es kommt etwas zum Klingen, zum Wohlklingen. Bei all den wirren Nachrichten tut es gut, eine Resonanz der Stille und stimmlichen Schönheit zu erleben. Wahrlich ein Gesamtkunstwerk. Mit einem Wunsch verlasse ich nach dieser erfüllten Stunde den Kirchenraum: Möge jeder und jede dazu beitragen, dass die Kirche in jeder Lebenslage als Resonanzraum für positive Emotionen wahrgenommen wird.

Mehr als 2000 Essen werden pro Tag in der Evangelischen Stadtkirche Ravensburg ausgegeben




Kommentare