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Unspektakulär ...

  • Autorenbild: hds
    hds
  • 20. Aug. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

… fühlt sich mal wieder meine Nordic-Walking Runde am frühen Morgen an. Nachdem ich meine Tendenz zur Schwerkraft überwunden habe, führt meine Route im hochsommerlichen August in den nahen Wald, Vorher geht es über die Bahngleise der Schwäbischen Eisenbahn bis hin zur Brücke und auf einen kurzen Trampelpfad, der entlang der Schussen führt. Alles in allem unspektakulär. Es wird auch nichts außergewöhnliches mehr passieren. Der Verkehr von der recht nahen B 30 ist laut wie immer, die kleinen Ausblicke auf den heute betont sanft fließenden Fluss beschaulich, vorbei an Mehrfamilienhäusern mit den pflegeleichten Gärten, hinein in den kühlen Wald und wieder heraus, vorbei am Biohof und wieder nach Hause durch den Park. Wie gesagt: Unspektakulär sind die gewöhnlichen Stock-Runden und doch jedes Mal anders und neu. Alles fließt. Nicht nur die äußere Vegetation, sondern auch die persönliche Stimmung, die Schwingungsfähigkeit, wenn man so will meine innere Vegetation. Mein Freund Günter Hole hat es einmal wunderbar ausgedrückt: Gesamtemotionalität. Damit ist genial das Kontinuum unserer Lebendigkeit beschrieben, unser Wesen, unsere Geschichte und Prägungen, unsere Krisen und Stimmungen, unsere Umwelt, mit der wir ständig im Austausch sind. So reflektiere auch ich an diesem Morgen mein Wesen, werfe Blicke darauf, packe Erlebnisse ein, hole sie wieder heraus, betrachte sie in der Erinnerung und freue mich, wenn ich letztlich sagen kann: es war gut, es ist gut.



Mit den Jahren habe ich gelernt, auf kleine Nuancen zu achten und nichts alles absolut zu setzen. Alles trägt die Potentialität der Veränderung in sich. So kommen Gedanken wie: Was ist gerade jetzt zu verarbeiten? Was will wachsen, was reift, was will begossen und gepflegt werden. Was kann abgelegt werden. Der Blick dafür, was sich verändert, der ist mir heute bei meiner Runde besonders wichtig. Dafür braucht es die unspektakulären Situationen, wenn der Körper in Schwingung kommt, das Gehirn auslüftet und Zeit da ist für Gedanken, Gefühle und Reflexionen. Das Über-Ich suggeriert uns, immer wieder neue Kicks zu generieren, um damit unsere scheinbar erlebnishungrigen Seelen zu füttern. Müssen diese Erlebnisbeschleuniger unbedingt von außen kommen, frage ich mich zunehmend. Keine Frage: Unternehmungen und Reisen, verbunden mit freundlichen Erlebnissen und Erkenntnissen erweitern Horizonte und tragen zur Gesamtemotionalität bei. Innere Erlebnisbeschleuniger sind für mich aber eher die stillen aber umso mehr wirksamen Wohlfühlmomente, die ich bei unspektakulären Unternehmungen erlebe. Und dann freue ich mich und finde es unsagbar schön, dass meine Beine mich sieben Kilometer weit tragen, um zu solcher Erkenntnis vorzudringen.



 
 
 

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