top of page
Suche

Bauernkrieg 1525 - eine unvollständige vorläufige Bilanz

  • Autorenbild: hds
    hds
  • 2. Aug. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Das Jahr 2025 ist reich an Gedenkanlässen. Einen besonderen Stellenwert nimmt der Bauernkrieg ein, der 1525 vor allem in Oberschwaben wütete und nach einem starken Aufbruch zu einem vollständigen Zusammenbruch führte. Es war kein Ruhmesblatt für Kirche und Obrigkeit, die sich durch ihre unheilvollen Bündnisse mit aller Kraft gegen die „Leibeigenen“ stemmte und sie letztendlich vernichtend schlug. Gewonnen war nichts außer Tod und Elend, aber der Freiheitsimpuls pflanzte sich immer tiefer in die menschlichen Bemühungen um Recht und Gerechtigkeit ein.


Meine persönlichen Eindrücke konnte ich durch zwei Vorträge, zwei Museumsbesuche, eine Gedenktafel-Einweihung und vor allem drei Theateraufführungen sammeln. Sie stärkten mein Wissen aus unterschiedlichen, auch konträren Blickrichtungen.

Da das bittere Ende des Aufstandes allseits bekannt ist, konnte es für mich nur darum gehen, Lehren aus den Geschehnissen zu ziehen. Geschichte lässt sich nicht verändern, nur der Blick darauf, die Interpretation und auf das, was uns die Geschichte für die Zukunft aufträgt. Und da kam bei mir einiges zusammen. Davon möchte ich berichten. Es sind subjektive Eindrücke und alles andere als abgeschlossen. Die Theaterstücke bereitete mir am meisten Freude, wenn man bei der schweren Thematik überhaupt von Freude reden kann.


Der letzte Eindruck ist der intensivste. Er spielte sich gestern Abend auf der Allgäuer Freilichtbühne Altusried (siehe Foto, aufgenommen von hds am 01.08.2025) ab. Ein monumentales Werk in gewohnt professioneller Altusrieder Manier. Das halbe Dorf macht mit und lässt sich auch vom strömenden Regen nicht aufhalten, wenn es um die Freiheitsrechte der Bauern geht: Frei sind wir und frei wollen wir sein! „Die spielen immer“, sagte mir eine Dame am Eingang, auch bei strömendem Regen. Beeindruckend war für mich der Schluss: Die Hauptdarstellerin, die fiktive Bauerstochter Emilia, die den Hof nach dem Tod der schwangeren Mutter und der Hinrichtung des aufmüpfigen Vaters durch den Schwäbischen Bund zusammen mit ihren Schwestern führt, wird vor die Alternative gestellt: Entweder in die Knie gehen und von den Freiheitsrechten abzuschwören, die in den Memminger Artikeln niedergeschrieben sind, oder auf Befehl vom eigenen Bruder (der sich in der Zwischenzeit den Landsknechten angeschlossen hat) niedergestochen zu werden. Bevor es zum Schwur kommt, friert dramaturgisch geschickt gemacht, die Situation ein und jeder/jede Zuschauer/in kann sich den eigenen Reim darauf machen, wie er es mit der Freiheit hält. Mit langanhaltendem stehendem Applaus und Jubelrufen wurde das Werk bedacht.


Machen wir mit dem Theater weiter. Zwei sehr unterschiedliche, aber nicht minder beeindruckende Aufführungen haben sich die Melchinger und das Oberschwäbische Ensemble der Bauernoper vorgenommen. Die Melchinger, mittlerweile zum semiprofessionellen Theater avanciert, beeindruckt durch gestochen scharfe Charakterbilder in Anlehnung an die Sieben Schwaben. In der ersten Reihe kam das besonders gut zur Geltung. Die Laiendarsteller des oberschwäbischen Emsembles spielten am authentischen Ort ein Stück aus dem Jahr 1973, mit Musik von Petere Janssens, das damals in Tübingen uraufgeführt und jetzt in der ausgeräumten Scheune des Rahlenhofes gezeigt wurde. Der Hof geht zurück auf Stefan Rahl, einem der charismatischsten Anführer des Bauernheeres. Er kam  mit dem Leben davon, dessen Hof wurde aus Rache abgefackelt.


Ich schließe meine beiden Museumsbesuche an: die großen Landesausstellungen in Memmingen (Bayern) und Bad Schussenried (Baden-Württemberg), die, so unterschiedlich in der Konzeption, so erkenntnisreich inspirierten. Memmingen kann mit der „Stadt der Freiheitsrechte“ punkten. Auch hier ein authentischer Ort, der Ratsaal, in dem der Bauernrat tagte und den vom reformatorisch geprägten Prediger  Sebastian Lotzer verfassten 12 Artikel. Auch dort das trotzige Motto: „Wir wollen frei sein und sind es auch!“ Faszinierend, wie die Freiheitsschrift („Von der Freiheit eines Christenmenschen“) von Martin Luther aus dem Jahr1520 so interpretiert wurde, dass willkürliche Konstruktionen wie „Leibeigenschaft“ und andere Knechtungsmaßnahmen grundsätzlich hinterfragt wurden: Aus der Heiligen Schrift heraus wohlgemerkt. Ähnlich die große Landesausstellung in Bad Schussenried. Mit modernen digitalen, interaktiven Methoden arbeitet die Ausstellung das Leben der Bauern im Mittelalter sehr sorgfältig heraus und berücksichtigt besonders die Fronten, an denen sie kämpften. Besondere Augenmerk erfährt der Genderaspekt, es treten auch Bäuerinnen auf.


Auf die beiden Vorträge, die mich in unterschiedlicher Weise inspirierten, verweise ich in früheren Blogs. Da ist Prof. Rainer Albertz, der in einem theologischen Vortrag auf den Freiheitsimpuls eingeht, der seiner Auffassung nach aus dem Freiheitsimpuls des Volkes Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft hervorgeht, die aber von der Theologie mehr oder weniger als ein innerseelisches Freiheitsverständnis interpretiert wurde. Und Dr. Peter Eitel hat die Weissenauer Chronik vorgestellt, ein Werk, das 1525 rückblickend vom damaligen Abt des Klosters Weissenau in Auftrag gegeben wurde. Ein Werk aus Herrscherperspektive, die Anliegen der Bauern wurden leider komplett ausgeblendet, von Verständnis oder Empathie keine Rede. Im Gegenteil: die Bauern wurden als plündernde und brandschatzende Tölpel dargestellt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Weisenauer Denkmal zur Bauernkriegschronik, das nicht weit von unserem Garten installiert wurde, mit dem meiner Ansicht nach grundfalschen Diktum am Ende, Geschichte würde immer nur von den Siegern geschrieben. Zu allem Überfluss und in dieser speziellen Geschichtsschau eigentlich konsequent weitergedacht, wurde von der heutigen Obrigkeit die Fahne des „Schwäbischen Bundes“ gehisst: Auch eine Weise mit Geschichte umzugehen.

Die Fahne des Schwäbischen Bundes, Symbol für Unterdrückung des elementaren Menschenrechts auf Leben, gehört ins Museum (mit entsprechender Erklärung) und nicht in die Öffentlichkeit.


So, jetzt ist es auch mal gut mit Bauernkrieg. Das Geschehen in Oberschwaben wurde meines Erachtens hinreichend erläutert, der Stoff gab und gibt kontroverse Einschätzungen und Schlüsse her. Was jeder und jede Einzelne mit den Eindrücken macht, die aus dem Gedenkjahr persönlich bleiben, ist die Sache individueller Einschätzung. Wer suchen möchte, findet gnügend Literatur, um das Wissen zu vermehren und den Geist zu schärfen.

 
 
 

Kommentare


bottom of page