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Telefonseelsorge - ein Hoffnungsfeld der Gesellschaft



IFOTES 2023 (International Federation of Telephone Emergency Services) – aus Sicht eines Supervisors


Der kilometerlange Strand an der Adria, zwischen Venedig und Triest, wo sich gewöhnlich in den Sommermonaten Zehntausende Badegäste tummeln, ist wie ausgestorben. Fast gespenstisch fühlt sich das an: verriegelte Fenster in geschlossenen Hotels. Fünf dicht gedrängte Tage voller anregender Themen aus dem Bereich Telefonseelsorge erwarteten uns auf dem Internationalen IFOTES-Kongress vom 18.-22.Oktober 2023 im italienischen Badeort Lignano Sabbiadoro. IFOTES – hinter dem Kürzel steht „International Federation of Telephone Emergency Services“. Was führt einen Supervisor zum internationalen Telefonseelsorgekongress? Da ist zum einen das Thema, das mich als Hoffnungstheologe angesprochen hat: Die Hoffnung beflügelt – Veränderungen annehmen und meistern“. Außerdem wollte ich gerne wissen, welche Themen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen bewegen, und wie ich dabei als Supervisor unterstützend wirken kann. Internationales Flair weht durch die Ferienanlage „Bella Italia“. Über 30 ehrenamtliche Beratungskräfte der TS Oberschwaben/Bodensee haben sich aufgemacht (und auf dem Weg noch einige Ulmer TS-lerInnen eingesammelt), um nach einer 12-stündigen Busfahrt in die Thematik einzutauchen. Ein 100-seitiges Programmheft mit Kurzbeschreibungen der jeweiligen ReferentInnen und Inhalten samt Kopfhörer mit Empfänger für Simultanübersetzungen leisteten wertvolle Dienste.


Nach der berührenden musikalischen Eröffnungszeremonie führte uns Prof. Dr. Jan Rotmans, ein international führender Transformationswissenschaftler in die Thematik ein. Was bedeutet es, das Chaos in Zeiten transformativen Wandels anzunehmen? Er plädiert für Übergänge, um eine lebenswerte Gesellschaft und einen lebenswerten Planeten zu erhalten. Der als „Kapitän des Wandels“ bezeichnete Wissenschaftler machte Mut, die Chance des systemischen Wandels wahrzunehmen. Unter der Trias Denken – Handeln – Organisieren malte er ein optimistisches Bild der Zukunft, wenn wir den Wandel ergreifen. Diesen starken Aufschlag galt es zu vertiefen in Workshops, kommunikativen und kulturellen Veranstaltungen und in vielen Gesprächen, in der Gruppe, beim Spaziergang, beim Mittagessen usw. Menschen, die den Dienst des Zuhörens anbieten und durch ihre Präsenz andere Menschen in den kritischsten Momenten ihres Lebens unterstützen, benötigen mutmachende Impulse. Und die gab es, so meine Beobachtung, in Hülle und Fülle. Z.B. bei David Rafael Steiner, der einen Workshop zum Thema Inspiration, Intuition und Weisheit des Herzens anbot. Ein anderer Workshop handelte von den Zuhörkompetenzen. Mit wissenschaftlichen Methoden wurden Skills erarbeitet, die einen guten Zuhörer/eine gute Zuhörerin am Telefon auszeichnet. Es gab auch Vorträge, bei denen sehr viel Bekanntes auftauchte und manch ein Professor überforderte mit hochwissenschaftlicher Detailarbeit. Einer der Höhepunkte stellte für mich und viele andere die Performance des weltbekannten nach einem Unfall gelähmten belgischen Motivationsredners Marc Herremans dar. Der Ironman-Weltmeister in der Handbike-Klasse hat durch seinen überzeugenden Vortrag die Herzen gewonnen und sich den stehenden Applaus des Plenums verdient. Seine Credos: Verwandeln Sie Rückschlage in Chancen. Teamwork macht das Unmögliche möglich. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche im Leben. Glauben Sie, egal was passiert. Setzen Sie immer auf die Karte Hoffnung.

Insgesamt, so mein Eindruck, hat sich das Vorbereitungsteam sehr viel Mühe gegeben, in einer solidarischen, internationalen und freundschaftlichen Atmosphäre gepaart mit italienischem, lockerem und unverkrampftem Lebensstil (z.B. gab es fantastischen Espresso in den Pausen, sehr freundlich waren die Freiwilligen) ein wertschätzendes Fluidum herzustellen. Ein schönes Erlebnis für mich als Theologe war der interreligiöse Gottesdienst in der Chiesa di San Giovanni Bosco in Lignano zum Abschluss der Konferenz am Sonntag.

Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin nimmt aus der individuellen Programmzusammenstellung eigene IFOTES-Impulse mit. Was für mich bleibt: Telefonseelsorge ist ein Hoffnungsfeld der Gesellschaft, das in verschiedenster Art und Weise urmenschliche Bedürfnisse stillen kann. Telefonseelsorge ist ein hoffnungsvolles Betätigungsfeld für die Ehrenamtlichen, die sich einer Aufgabe verschreiben können, aus der sie sehr viel persönlichen Gewinn ziehen. Carl Gustav Jung bringt es auf den Punkt und es scheint so einfach: “Kenne alle Theorien. Beherrsche alle Techniken, aber wenn du eine menschliche Seele berührst, sei einfach eine andere menschliche Seele.”


Blick aus meinem Hotel Columbus in Lignano Sabbiodoro


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