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Friedliche Emotionen



Friedliche Emotionen in einer Zeit, in der täglich negative Nachrichten für miese Stimmung sorgen – wo gibt es die noch? Ich habe sie erlebt und gespürt – live beim Abschluss der Leichtathletik-Europameisterschaften im Olympischen Stadion München. Ein Mega-Ereignis im Olympiapark unter dem stylischen leichten Zeltdach mit bayrischem Lebensgefühl (Bild: Spielmannszug vom Tegernsee) und sportlichem Rückblick (unvergessen Ulrike Meyfarth, die 1972 als 16-Jährige völlig überraschend den olympischen Hochsprung der Frauen gewann – heute sitzt sie in der Talkrunde 100 Meter vom Stadion entfernt und wirbt für die Deutsche Sporthilfe), dazu eine Lichtshow (Bild) mit dröhnenden Bässen vor den jeweiligen Endläufen in einer sagenhaften Location sorgten für eine unvergleichliche Stimmung. Friedliche Emotionen – in Stadien ist das nicht immer so: Rassistische Ausfälle, Pyros, Buh-Rufe, Pfeifkonzerte und dergleichen machen aus sportlichen Ereignissen oft grauenhafte Veranstaltungen, die ich nur zu gut aus dem Fußball kenne und verabscheue. Darum habe ich auch keine Lust, Bundesligaspiele zu besuchen. An diesem Abend, an dem acht Entscheidungen ausgetragen wurden, war alles anders: eine rundweg fantastische Werbung für den Sport. Vernommen habe ich in den drei Stunden an keiner Stelle irgendein negatives Wort, auch nicht, wenn einem deutschen Sprinter mal der Staffelstab aus den Händen glitt, ein Speerwurf misslang oder die Latte bei 1,85 auch im dritten Versuch gerissen wurde. Im Gegenteil: Den KonkurrentInnen wurde genauso Respekt gezollt, wenn der Sprung gelungen ist, mit rhythmischem Klatschen und Beifall. So zum Beispiel bei der jungen ukrainischen Hochspringerin, die den Wettbewerb für sich entscheiden konnte. Klar schlug das Herz stärker, als die 4 x 100m-Sprinterinnen Gold gewannen und das Muskelpaket Julian Weber den Speer auf Sieg bringende 78,66m warf, aber es wurde jede Leistung respektiert und mit Beifall bedacht. Großartig, diese Emotionen zu erleben, Fahnen schwenkend, Kuhglocken läutend (die Schweizer Fans) oder durch eruptive Laute aus der emotionalen Tiefe der Seele. Drei Stunden, die einem das Gefühl gaben: es gibt sie noch – die guten Gefühle, die friedlichen Emotionen, inmitten einer bleiernen Zeit. Es kommt jetzt darauf an, die Feelings so gut es geht nachhallen zu lassen und zu möglichst lange zu bewahren und sich nicht vom nächsten Maskenverweigerer in der U-Bahn die gute Stimmung verderben zu lassen.


Zünftige Musik unter dem leichten Olympia-Zeltdach gab es vom Spielmannszug Tegernsee



Alle Endläufe (hier 4 x 100m - Staffellauf der Frauen) wurden mit einer beeindruckenden Lichtshow eingeführt

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