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Beethovens Neunte in Brüssel



Freude schöner Götterfunken … Seid umschlungen, Millionen … Einer der an Höhepunkten reichen Events meines dreimonatigen Aufenthaltes in Brüssel als Vertretungspfarrer in der deutschen evangelischen Gemeinde ist eindeutig Beethovens Neunte. Die Europahymne wurde live in der wunderschönen Eglise Notre-Dame au Sablon, mitten in der Hauptstadt Europas aufgeführt. Die 9. Symphonie gilt als ein Schlüsselwerk der symphonischen Musik. Die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher kannte keine Grenzen, als am Ende des denkwürdigen Konzertes Dirigent David Miller alle animierte, die Hymne in immer wieder neuen durch Instrumente begleiteten Durchgängen mitzusummen. Die Aufführung des Bruocsella Symphony Orchester und dem International Choral of Brussels mit Le Choeur 139 stand im Zeichen des 200.Geburtstags der Uraufführung des epochalen Werkes Ludwig van Beethoven. Der bereits ertaubte Komponist schrieb mit der Neunten zwischen 1822 und 1824 ein neues Kapitel Musikgeschichte, das er selbst nie gehört hat. Erstmals setzte Beethoven in einer Symphonie die menschliche Stimme ein. 1972 wurde das Hauptthema des letzten Satzes vom Europarat zu seiner Hymne erklärt und 1985 von der Europäischen Gemeinschaft als offizielle Europahymne angenommen. In der Begründung heißt es, „die Ode versinnbildliche die Werte, die alle teilen, sowie die Einheit in der Vielfalt“. Mit seiner „Ode an die Freude“ brachte Schiller seine idealistische Vision zum Ausdruck, dass alle Menschen zu Brüdern werden – eine Vision, die Beethoven teilte. Die beiden Künstler sind sich zwar nie persönlich begegnet, aber Beethoven hat sich intensiv mit Schiller beschäftigt. So ist die Melodie „Freude schöner Götterfunken“ aus dem Finalsatz der Symphonie als Europahymne zum Leitmotiv für Frieden und Völkerverständigung geworden.


Was empfinde ich beim Hören der Ode an die Freude?


Die ersten drei langen Sätze der Symphonie lassen das Thema der Ode bereits anklingen, bevor sich die Neunte im 4. Satz unter Einbeziehung von Solisten und dem Chor in immer neuen Anläufen zu einer gewaltigen musikalischen Intensität steigert. Es ist in der Tat eine Musik mit freundlicher Ausstrahlung, dieser Ausstrahlung kann und will ich mich nicht entziehen. Der Text, ursprünglich ein Trinklied, ruft zur Versöhnung auf, zum Frieden, zur Freude am Leben. Auch wenn bei der Nachrichtenlage mit den Kriegen und Krisen dieser Welt und aktuell der Hochwasserkatastrophe in Süddeutschland auch Sorge mitschwingt: über aller Befürchtung steht letztlich die religiöse Hoffnung, dass „über dem Sternenzelt ein lieber Vater wohnen muss“. Diese Hoffnung trägt dazu bei, dass ich für die vielen Fragen, die ich gerne an diesen "lieben Vater" richten würde, einst eine Antwort bekommen werde. Und bis dahin bringt es recht wenig, sich mit all den Dingen, die disparat sind und falsch laufen auf dieser Welt, abzufinden. Gefühle der Freude können bekanntlich die Sorgen nicht übertünchen. Es wäre aber auch keine gute Lösung, sich der Freude zu entziehen und sich im Sorgentief zu vergraben. Verbitterung ist keine Lösung. Eine so geniale Musik ermuntert mich zur Freude am Dasein, das ich gerne weiterhin nach Kräften mit anderen teilen möchte.


Seid umschlungen, Millionen!

Diesen Kuss der ganzen Welt!

Brüder überm Sternenzelt

Muss ein lieber Vater wohnen.

Ihr stürzt nieder Millionen?

Ahnest Du den Schöpfer, Welt?

Such ihn über´m Sternenzelt!

Über Sternen muss er wohnen.

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