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Karfreitag 2022 Gebet vor dem Kreuz


Ich denke in diesen Tagen besonders an die Menschen in der Ukraine, die Schutzsuchenden, die Ausharrenden, die Traumatisierten und Hoffnungslosen und bitte Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, auch heute wieder für den Frieden zu beten und zu handeln. Ich denke an die Menschen, die durch seelische Lasten gebeugt sind und keinen Ausweg finden.


Ich lade Sie ein, in der Stille mitzubeten.


Gebet vor dem Kreuz

Gekreuzigter, du Erlöser, in deinen weit ausgebreiteten Armen finden wir Zuflucht.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor der Verachtung und dem Vergessen flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor dem Hunger und der Ungerechtigkeit flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor Hass und Krieg flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor der Willkür der Mächtigen flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor der Gewalt der Feinde flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, aus der Verzweiflung und Trauer flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, aus unserem Versagen flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor unserer Schuld flüchten wir zu dir. Rette uns durch dein Kreuz.


Gekreuzigter, du Erlöser, vor dem Tod flüchten wir zu dir. Rette deine Schöpfung, bewahre unsere Lieben, erlöse uns durch dein Kreuz. Amen.



Isenheimer Altar (Matthias Grünewald)


Matthias Grünewald hat im Jahr 1515 eine Kreuzigung gemalt, die das ganze Ausmaß des Leidens des gekreuzigten Christus zeigt. Ein Bild des Jammers. Schwer auszuhalten. Der Gekreuzigte wird zum Schmerzensmann. Im Buch Jesaja wird von einem Schmerzensmann gesagt: Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Diese Worte Jesajas, vom Propheten auf eine Gestalt Israels oder auf Israel selber bezogen, haben Christ*innen aller Zeiten mit dem Leidensweg Christi in Beziehung gesetzt. Es ist ja auch wahrlich keine schöne und edle Gestalt, die wir da zu sehen bekommen. Den Mönchen des Antoniterklosters, für die Grünewald das Altarbild gemalt hat, war dies ein nur allzu bekanntes Bild. Tagtäglich bekamen sie Menschen zu Gesicht, deren Körper entstellt, von Schmerzen verzehrt waren. Die Mönche kümmerten sich um Menschen mit Haut- und Geschlechtskrankheiten und um Pestkranke. Sie kannten die Not und das Leid dieser Menschen. Für sie war der Gekreuzigte kein Bild, das historisch Geschehenes, sondern das ihre Wirklichkeit abbildete. Der Gekreuzigte auf dem Isenheimer Altar wird beispielhaft zum Bruder der Leidenden. Er kommt den Leidenden nahe, weil er selbst das Leid kennt. Er hat es selbst erfahren. So wird er zum Bruder im Leiden der Haut-, Geschlechts- und Pestkranken, die die Mönche gepflegt haben.

Er wird zum Bruder der Hungernden. Er wird zum Bruder der unter den Kriegen leidenden Menschen. Er wird zum Bruder der Bedrängten und Gefolterten in vielen Ländern. Er ist der Bruder der Millionen Jüdinnen und Juden, die in den Gaskammern umkamen. Er ist der Bruder der Menschen, die im Zuge der Krankenmorde um ihr Leben gebracht wurden. Im Kreuz ist Gott in den Leidensgeschichten der Menschen immer verbunden.


Nelly Sachs schreibt auf dem Hintergrund des Sterbens von Millionen von Jüdinnen und Juden:


„Ich bin meinem Heimatrecht auf der Spur

dieser Geographie nächtlicher Länder

wo die zur Liebe geöffneten Arme

gekreuzigt an den Breitengraden hängen

bodenlos in Erwartung“


„Zur Liebe geöffnete Arme … bodenlos in Erwartung“. Hier kommt Hoffnung auf. Gerade auch im Kreuz als dem Zeichen des Leidens und des Todes. Es kommt Hoffnung auf, wie Gottes Liebe das Leiden aushält, wie Gott diese Welt aushält und so verwandelt. Und damit wird das Kreuz zum Zeichen des Lebens und nicht des Todes, eben: „zur Liebe geöffnete Arme … bodenlos in Erwartung“.


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