Stolpersteine in Tübingen
- hds

- 30. Mai
- 1 Min. Lesezeit

Stolperschwelle für die Zeugen Jehovas, Stolpersteine für Laura Schradin, Traugott Baumann, Gottlob Schmid und Georg Mall.
Am 19.Mai 2026 konnte ich mehreren Stolpersteinverlegungen in Tübingen beiwohnen. Bislang liegen 116.000 Stolpersteine in über 1860 Kommunen in 31 europäischen Ländern, die meisten davon in Deutschland (über 86.000). Sie sind Teil des weltweit größten dezentralen Mahnmals des Künstlers Gunther Demnig. Vor den letzten freiwilligen Wohnstellen wurden in Tübingen mehreren Personen gedacht, die unter den Gräueltaten der Nationalsozialisten gelitten haben. Eine Tübinger Mühle wurde zum Ort von konspirativen Treffen der Zeugen Jehovas. Für die Frauenrechtlerin und SPD-Aktivistin Laura Schradin, für die KZ-Insassen Traugott Baumann und Gottlob Schmid und für den Theologiestudenten Georg Mall wurden in der Stadt Tübingen Stolpersteine verlegt.

Das Schicksal des Theologiestudenten Georg Mall hat mich besonders berührt. Im Laufe seines Studiums an der Universität Tübingen entwickelte Georg Mall eine schwere Depression. Mithilfe aus heutiger Sicht mehr als fragwürdigen und erfolglosen Therapiemethoden in der Nervenklinik Tübingen wurde er Mitte 1940 nach Weissenau verlegt. Dort stand Georg Mall auf der Transportliste nach Grafeneck, wo er am selben Tag ermordert wurde. Besonders tragisch: Gerhard Malls älterer Bruder Gerhart, Arzt und Psychiater setzte sich bei der Anstaltsleitung in Weissenau aktiv für die "Euthanasie" an seinem Bruder ein. Ein besonders perfider Fall von Brudermord.

Stolperstein an der Stiftspforte in Tübingen für Georg Mall




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