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Aufarbeitung von Traumata der Vergangenheit: Das Afrikamuseum Brüssel



Glücklich in Brüssel - Das Buch verheißt Genussmomente in Europas Hauptstadt. Z.B. auf Seite 106: Kolonialgeschichte. Königliches Museum für Zentralafrika. Wunderschön liegt es da, das Museum, eingebettet in einen Park am Stadtrand von Brüssel. Hinter den Mauern des ehemaligen Königlichen Schlosses vermutet man in der Tat keine afrikanische Sammlung. Zunächst passiere ich einen modernen Glasbau. Es führt in die Tiefe. Dort beginnt das afrikanische Abenteuer. Empfangen werde ich von zwei Installationen. Bei der ersten geht es um Rassismus: „Rassismus kann viele Formen annehmen. Es ist der alltägliche, der verinnerlichte und der institutionelle Rassismus, der das Zusammenleben schwer macht. 

Die zweite Installation, ist ein Spruch, der mich zum Nachdenken bringt. Er weist in mehreren Sprachen den Weg: Alles geht vorbei, außer der (!) Vergangenheit! Everything passes, expect the past. Tout passe. Sans le passé. Sofort blitzt in mir auf: Es geht hier nicht um die Ausstellung von Exotik, sondern um Aufarbeitung von Traumata.



Nilpferdschlund, ausgestopfte Wildtiere, rituelle Gegenstände, Elfenbein en masse - faszinierend und beklemmend zugleich


Warum soll man an diesem Ort glücklich werden, wo die Vergangenheit wie ein Bleiklotz bei jedem Schritt durch das Museum die Wege schwer machen?


Nach meinem Museumsbesuch bin ich nicht glücklich geworden, aber das Museum hat es geschafft, mich zu interessieren, weiter zu fragen. Und ich werde wiederzukommen. Denn: Hier wird behutsam sichtbar gemacht, welche Verbrechen in der Vergangenheit an den Kongolesen begangen wurden. Aufarbeitung in Sonderausstellungen wechseln sich ab mit künstlerischen Versuchen, alte Kunstwerke aus dem Bestand neu zu inszenieren und dadurch neue Aussagen entstehen zu lassen. Anstatt von wilden Exoten zu reden, und Menschen zum Objekt zu degradieren, lässt die Ausstellung die Menschen selbst zu Wort kommen. Menschen aus dem Kongo erklären in durchlaufenden Videos die Riten, ihre Riten.



Veränderung unserer Sichtweise: "Reframing" einer bestehenden Skulptur im herrschaftlichen Milieu, die "Caritas" versinnbildlicht. Was der Kolonialismus damit gemacht hat, ist auf dem Tuch zu sehen: Der Kolonialherr wird von Einheimischen getragen


Was den Kolonialismus betrifft, was Zentralafrika betrifft, ist es der Ausstellung gelungen, einige Wissenslücken abzubauen. Ich komme wieder. Das ist sowieso das beste Kompliment, das man einem Museum machen kann. Mehr kann ein Museum kaum leisten. Das hat schon etwas Beglückendes.

Das geschieht allerdings auf dem Rücken einer brutalen Kolonialgeschichte, was das ganze Glück auch wieder etwas fragwürdig macht. Ausstellungen können anregen, sich mit Fremdem zu befassen.


Belgisch-Kongo: Im 19.Jahrhundert wurden dort 10 Millionen Menschen brutal ermordet. Das ist die Hälfte der Einwohner. Das weltweit größte Museum für Zentralafrika stellt sich dem Versuch, nach langer und zäher Tabuisierung die Geschichte der Unterdrückung und Ausbeutung aufzuarbeiten. Bis ins 21.Jahrhundert verlor das Museum in Tervuren kaum ein Wort über die Kongo-Gräuel. Bleibt zu hoffen, dass im Paradoxon royaler Prachtbau / finstere historische Geschehnisse eine weitere Aufarbeitung der Traumata stattfinden kann: „Alles geht vorbei, außer die Vergangenheit“.



Wird wohl ein ewiges Paradoxon bleiben: Das Afrikamuseum ist in den alten Gemäuern des Königlichen Schlosses untergebracht

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